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Deutschkurse, gutes Onboarding und Willkommenskultur: Damit Geflüchtete als Fachkräfte der Zukunft gut bei uns ankommen, gibt es einige Punkte zu beachten. Worauf es ankommt, verrät Nicole von Alvensleben von der Schneidermanufaktur Stitch by Stitch. Sie arbeitet seit 2016 ausschließlich mit Geflüchteten.

Gemeinsam gegen den Fachkräftemange: Mit der Initiative Job-Turbo möchte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Geflüchtete bei ihrem Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt unterstützen. Integrationsprozesse sollen schneller und paralell zum Arbeitsbeginn ablaufen, denn: Arbeit und Integration bedingen sich gegenseitig.

Mit einem einfachen Sprachlevel in einen Beruf einsteigen und sich ‚on the job‘ weiterentwickeln können – das ist einer der Schlüsselfaktoren beim Job-Turbo. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Unternehmen Stitch by Stitch. Seit 2016 beschäftigen die Geschäftsführerinnen Nicole von Alvensleben und Claudia Frick hauptsächlich geflüchtete Frauen, die bereits als professionelle Schneiderinnen in ihren Heimatländern gearbeitet haben, in ihrer Werkstatt – auch wenn diese noch keinen Sprachkurs absolviert haben.

„Wenn die geflüchteten Frauen nur rudimentäre Deutschkenntnisse haben, ist das kein Problem. Denn das Schneiderhandwerk ist auf der ganzen Welt ähnlich. Die Integration passiert dann am Arbeitsplatz“, sagt Nicole von Alvensleben.

Ein gutes Netzwerk ist entscheidend

Mit der Unternehmensform des Social Business, mit dem sie ihren Fokus auf die Integration von Geflüchteten Frauen legen, haben sie gleichzeitig ihr persönliches Rezept gegen Fachkräftemangel gefunden – jeden Monat erhalten sie mehrere Bewerbungen von Geflüchteten.

„Man kennt uns in Frankfurt. Wir stehen in engem Kontakt zu Jobcentern, Trägern von Unterkünften wie der Diakonie und anderen Anlaufstellen. So können wir die Menschen, die gerade in Deutschland angekommen sind, direkt dort abholen, wo ihr neues Leben stattfindet. Wenn die Sachbearbeiter*innen beim Jobcenter in Frankfurt oder Umgebung eine geflüchtete Frau mit Kenntnissen im Schneiderhandwerk vor sich haben, denken sie sofort an uns“, so Nicole von Alvensleben. Durch erfolgreiche Vernetzung konnte die Manufaktur in den vergangenen Jahren viele langfristige Mitarbeiterinnen gewinne

Alle profitieren von einer frühen Anstellung

Myla kam im April 2022 aus der Ukraine nach Deutschland – knapp vier Monate später hat sie in der Manufaktur angefangen. Sie bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Textilbranche mit und ist so eine wertvolle Ergänzung für das Team der Schneiderei-Manufaktur.

„Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung meiner Kolleginnen. Ich kann jede Frage stellen, die ich möchte. Sie haben Deutschkurse organisiert und es gibt eine berufliche Nachqualifizierung, an der ich teilnehmen werde. Dafür werde ich zusätzlich in Techniken für unterschiedliche Anforderungen in der Textilproduktion fortgebildet“, erzählt Myla.

Sprachförderung, Einstieg in den Beruf und Unterstützung bei Behördengängen – diese Prozesse laufen bei Stitch by Stitch parallel. So wie es auch der Job-Turbo vorsieht.

Die Frauen können sich so ein soziales Umfeld aufbauen und wichtige Fragen wie Berufsanerkennung, Wohnungssuche und Aufenthaltsgenehmigung vorantreiben.

„Für uns gehört zu einer erfolgreichen Willkommenskultur dazu, dass wir unsere Mitarbeiterinnen dort unterstützen, wo es wirklich wichtig ist. Wir haben in der Personalabteilung eine Ansprechperson, die bei allen bürokratischen Fragen zur Verfügung steht. Zusätzlich bauen wir gerade ein internes Mentoring-Programm auf, bei dem langjährige Angestellte die Neulinge beim Ankommen im Job unterstützen. So möchten wir den Angestellten zeigen: Ihr seid hier willkommen“, erzählt Nicole.

Sprachbarrieren Stück für Stück abbauen

Nachdem die Frauen am Integrationskurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teilgenommen haben, lernen sie Deutsch in hauseigenen Sprachkursen, die entweder im Einzel- oder im Gruppenunterricht stattfinden. Stitch by Stitch arbeitet dabei mit ausgebildeten Deutschlehrer*innen zusammen und bereitet ihre Mitarbeitenden auch auf die Prüfungen vor.

„Ich weiß, dass sich viele Unternehmen keine eigenen Deutschkurse leisten können. Mein Appell lautet: Suchen Sie in Ihrer Umgebung nach Betrieben in einer ähnlichen Situation und schließen Sie sich zusammen. Gemeinsam lassen sich die Kosten für Lehrer*innen viel besser bewältigen", rät Nicole von Alvensleben.

Wer Mitarbeiter*innen mit Fluchterfahrung bei ihrem Start unterstützt und fördert, gewinnt loyale und gut ausgebildete Fachkräfte mit starker Unternehmensbindung. Das gilt natürlich für alle neuen Beschäftigten, besonders jedoch für Geflüchtete, die aufgrund ihrer Fluchterfahrung in einer besonders schwierigen Situation sind. Nehmen Sie sich Zeit, sprechen Sie mit ihnen und fragen Sie nach ihren Bedürfnissen und Wünschen.

Wie die Integration von Geflüchteten im Betrieb gelingt

Vernetzen Sie sich:

Halten Sie in Ihrer Umgebung Ausschau nach Anlaufstellen für Geflüchtete und kontaktieren Sie Jobcenter und Arbeitsagenturen. So können Sie dafür sorgen, dass Geflüchtete, die einen Job suchen, dazu motiviert werden, sich bei Ihnen zu bewerben

Kümmern Sie sich um Ihre neuen Beschäftigten:

Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter*innen mit Fluchterfahrung bei bürokratischen oder persönlichen Fragen.

Organisieren Sie Deutschkurse:

Suchen Sie nach anderen Arbeitgeber*innen in Ihrer Umgebung, die ebenfalls Geflüchtete angestellt haben und organisieren sie gemeinsame Deutschkurse.

Nehmen Sie Lernangebote wahr:

Auch die berufsbegleitenden Sprachkurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder kostenfreie Lernangebote, wie die Ankommen-App des BAMF, sind gute Möglichkeiten ihre Angestellten auf den täglichen Umgang mit der deutschen Sprache vorzubereiten.

Bleiben Sie im Gespräch:
Nach einem erfolgreichen Onboarding ist es wichtig, immer wieder mit den neuen Mitarbeiter*innen zu kommunizieren, um mögliche Herausforderungen so früh wie möglich gemeinsam angehen zu können.
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