Der Gesprächsleitfaden: über psychische Belastungen reden
  • Vielen Menschen fällt es schwer, über psychische Belastungen zu reden.
  • Das frühe Ansprechen kann jedoch dazu beitragen, psychisch stabil zu bleiben und psychische Erkrankungen zu verhindern.
  • Mit unserem Gesprächsleitfaden „Lass uns reden!“ erhalten Sie acht bewährte Tipps, um schwierige Gespräche zu bewältigen.

Mehr Offenheit im Umgang mit psychischer Gesundheit heißt auch: sich trauen können, darüber zu reden. Genau das will die Offensive Psychische Gesundheit fördern. Das kann z. B. in der Familie, unter Freund*innen, mit dem Hausarzt, der Kollegin oder dem Vorgesetzten sein. Über seelische Probleme zu sprechen, ist für viele Menschen jedoch nicht einfach. Denn noch immer ist das Thema „Psyche“ bei vielen Menschen schambesetzt. Das kann dazu führen, dass Präventionsangebote und professionelle Hilfe nicht oder erst verzögert in Anspruch genommen werden. Dabei ist klar: Darüber reden kann helfen, psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen, einen angemessenen Umgang mit ihnen zu finden, sie zu reduzieren und so psychisch im Gleichgewicht zu bleiben.

Ressourcen stärken, Stressoren reduzieren

Psychische Belastungen haben meist mehr als eine Ursache und wirken sich individuell unterschiedlich aus. Dabei ist der Begriff „Belastung“ jedoch nicht ausschließlich als „Stress“ oder „Überforderung“ zu verstehen. Denn streng genommen ist eine Belastung neutral und beschreibt lediglich etwas, das von außen auf uns einwirkt. Das kann sowohl positiver Natur (Ressource) als auch negativer Natur (Stressor) sein.

Der Ansatz der Offensive Psychische Gesundheit ist es, alle Belastungsquellen zu reflektieren, um sowohl Ressourcen auszuschöpfen, als auch Stressoren zu reduzieren.

„Lass uns reden!“ - eine Anleitung für Gespräche über die psychische Gesundheit

Über psychische Belastungen und Probleme zu sprechen, ist für viele Menschen nicht einfach. Dabei gibt es bewährte Gesprächsstrategien, die helfen, schwierige Themen wie die psychische Gesundheit anzusprechen. Das bedarf sicherlich auch etwas Mut. Doch es lohnt sich – im Sinne eines gesunden Miteinanders. Wir haben acht Tipps für ein erfolgreiches Gespräch für Sie zusammengestellt:

Das Gespräch vorbereiten 

Probleme erkennenEin Gespräch ist immer dann sinnvoll, wenn Sie beobachtet haben, dass eine Person aus Ihrem Umfeld (z. B. ein Familienmitglied, ein Kollege, eine Bekannte o. ä.) sich über einen längeren Zeitraum (z. B. mehrere Wochen) auffällig anders verhält, als Sie es von ihr gewohnt sindDas kann etwa seinwenn die Person müde und unkonzentriert wirkt, emotional angegriffen erscheint oder sich zurückzieht. Sich selbst informierenGehen Sie gut vorbereitet in das Gespräch, indem Sie sich vorab über Belastungsfaktoren (z. B. auf der Arbeit) und daraus folgende Symptome sowie Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Bevor Sie Ihr Gegenüber ansprechen, sollten Sie die Situation zunächst für eine Weile beobachten. So verringern Sie die Gefahr, falsche Schlüsse zu ziehen. Betroffene ansprechenDas Gespräch sollte ausschließlich unter der Überschrift „Fürsorge“ stehen. Sie können es nur anbieten, aber nicht aufzwingen. Wichtig ist: Sprechen Sie nicht zwischen Tür und Angel, sondern sorgen Sie für einen geeigneten und geschützten Rahmen (z. B. ruhiges BüroSpaziergang). Schalten Sie Ihr Handy aus, um nicht gestört zu werden. Ermöglichen Sie der betroffenen Person auch, auf Wunsch eine Vertrauensperson mitzubringen. Außerdem sollten Sie für den Austausch nicht länger als 30 Minuten ansetzen, um nicht abzuschrecken. Halten Sie darüber hinaus Informationen über Hilfsangebote bereit. Gesagtes ist selbstverständlich vertraulich zu behandeln und geht niemanden außerhalb etwas an.  

Das Gespräch führen 

Klar und wertschätzend kommunizierenSprechen Sie Ihre Besorgnis klar anVerwenden Sie dabei Beobachtungen (z. B. „Ich beobachte, dass du…“) statt Behauptungen und seien Sie wertschätzend (z. B. „Ich habe den Eindruck, dass es dir nicht gut geht. Ich mache mir Sorgen.“ / „Du wirkst in letzter Zeit bedrückt. Ist alles in Ordnung?“). Unterlassen Sie auf jeden Fall Mutmaßungen oder gar Diagnosen. Auch Andeutungen sollten Sie vermeiden, etwa das Schenken eines Buches über psychische Gesundheit.  Zuhören und nachfragenMachen Sie sich bewusst: Für die betroffene Person handelt es sich vermutlich um ein heikles Thema und eine sehr persönliche Angelegenheit. Anstatt Antworten einzufordernhören Sie zu und stellen Sie FragenErkundigen Sie sich z. B., ob die Person selbst Veränderungen an sich festgestellt hat. Nutzen Sie offene Fragen (z. B. „Was beschäftigt dich gerade?“) anstelle von Ja/Nein-Fragen („Beschäftigt dich etwas?“)Geben Sie zudem keine ungebetenen Ratschläge und reden Sie nicht von Ihren eigenen Problemen. Keinen Druck ausübenDie Reaktion Ihres Gegenübers zeigt Ihnen, ob die Person das Thema vertiefen möchte. Rechnen Sie auch mit Ablehnung und nehmen Sie diese nicht persönlich. Als Gesprächspartner*in können Sie wertvolle Rückmeldungen und Anstöße geben, haben aber trotzdem nur einen begrenzten Einfluss. Wichtig ist, Geduld mitzubringen und der Person Zeit zu geben, das Angesprochene zu verdauen. Nicht alles muss sofort besprochen werden. Sie können auch das Angebot für ein späteres Gespräch machen. Mitgefühl zeigen und respektvoll bleibenZeigen Sie Mitgefühl anstatt zu bewerten, zu verurteilen oder gar zu sanktionieren. Nehmen Sie die Person in ihrer eigenen Wahrnehmung der Situation ernst und verzichten Sie auf Aussagen wie „Man muss nur wollen“ oder „So schlimm ist es doch nicht“. Vor allem aber: Beschränken Sie die betroffene Person nicht auf ihre Probleme, denn sie ist auch Kolleg*in, Freund*in, Partner*in und vieles mehrEs braucht keine dramatisierende, sondern eine normale Ansprache. Hilfe anbieten und Kontakt haltenZeigen Sie sich als Vertrauensperson, indem Sie am Ball bleiben, den Kontakt pflegen und weitere Gespräche anbieten. Respektieren Sie aber auch Ihre eigenen Grenzen – nicht erst, wenn diese überschritten sind. Überlassen Sie die Problemlösung den Profis, verweisen Sie auf Hilfsangebote und sagen Sie offen, wenn Sie nicht weiterhelfen können. 

Wenn Sie die Gesprächstipps später noch einmal in Ruhe nachlesen oder mit anderen teilen wollen, können Sie unseren Gesprächsleitfaden auch als praktisches PDF herunterladen.  

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